Kletterblatt 2010 - page 54

Baumpflege
Praxis
kletterblatt 2010
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SKT-B
Neue Aufstiegstechniken
In den letzten Jahren gab esmehrfachUnfälle, die im
Aufstieg passiert sind. Klemmen schienen nicht aus-
reichend sicher. Knoten, die zur Sicherung angelegt
wurden, erfüllten ihren Zweck nicht ausreichend.
Nicht nur die Kletterschulen, sondern alle Kletterer
mussten sich fragen, ob die eigene Aufstiegstechnik
sicher ist. Wir haben den Zeitpunkt zum Anlass ge-
nommen, die gesamte Palette, die wir auf den Kursen
vorstellen, zu hinterfragen. Schließlich habenwir den
per Schlinge gesichertenAufstiegmit der Fußklemm-
technik aus dem Programm genommen, da kaum ein
Teilnehmer imVerlaufe des Kurses ausreichendRou-
tine in dieser anspruchsvollen Technik erlangt. Vor-
geführt wird sie dennoch. Stattdessen gibt es die Fuß-
klemmtechnik mit der gesicherten Doppelsteigklem-
me, wobei wir auf die umstrittenen Modelle verzich-
ten.Weiterhin ist der I’D-Aufstieg aufgenommenwor-
den, klar, denn der wird ja in absehbarer Zeit aus den
SKT-A-Kursen bekannt sein. Zusätzlich lehren wir
denAufstiegmit Hand-, Brust- und Fußsteigklemme,
der mit einer Trittschlinge komplettiert wird. Diese
Technik wird seit langem im Industriebereich einge-
setzt und ist ausreichend erprobt.
Nach einemJahr kannman nicht sagen, dass eine der
Technikenbevorzugtwird. Angenommenwerdenaber
alle und sicherheitsrelevante Zwischenfälle, wie sie
mit den altenAufstiegen aufgetreten sind, gibt es nicht
mehr.
Mehr Motorsägenarbeit
Wennman alsKletterer denSchwerpunkt der SKT-B-
Ausbildung benennen soll, wirdman sich an seiner ei-
genenPraxis orientieren. DieVorgaben seitens der BG
lassen innerhalb des Themenrahmens Spielraum für
zeitliche Gewichtung. Eine große Schule hat es da
etwas leichter, weil vieleAusbilder viele Stimmen ein-
bringen und die Gefahr der Subjektivität verringert
wird. Aber auch dieMeinung von Gruppen kann sub-
jektiv sein oder im Widerspruch zur Meinung einer
noch größerenMasse stehen. Der SKT-B-Kurs dauert
nur fünf Tage, davon gehört einer ausschließlich der
Prüfung. Für die praktische Sägenarbeit blieb da bis-
her nur ein Tag. Das wurde zum Kursende häufiger
kritisiert. Anscheinendwar unser Zeitplan doch nicht
nah genug an den Erwartungen unserer Teilnehmer.
Seit einemJahr habenwir jetzt dieKletterübungen im
Außenbereich der Krone mit den Rettungsübungen
kombiniert und somit mehr Zeit für den Einsatz der
Motorsäge gewonnen.Wenn die Ausbilder darstellen,
wie die Kurse vorher aufgebaut waren, sind die Teil-
nehmer froh über die Umstrukturierung, obwohl der
eine oder andere gern noch mehr mit der Säge üben
würde. Das ist aber nurmit längerenKursen realisier-
bar.
Zum Schluss
Wir sind sehr glücklich, dass sich keine unserer Neu-
erungen als Flop erwiesen hat. Nach den SKT-A-
Kursenentlassenwir dieKletterermitwesentlichbes-
serenVoraussetzungen für denArbeitsalltag. Auf den
SKT-B-Kursen hat sich die Sicherheit erhöht und die
Zeit an der Motorsäge entspricht nun offenbar besser
den Erwartungen der Teilnehmer. Der Zeitplan ist
aber auf beiden Kursen etwas straffer als bisher und
wird damit schneller durch ungünstige Witterung
strapaziert.Wirwerden deshalb streng darauf achten,
dass der Anfängerkurs ein solcher bleibt. Es ist nicht
unser Ziel, die Ausbildung so zu überladen, dass man
als Neuling keine Chance mehr auf einen erfolg-
reichenAbschluss hat. Der SKT-B-Kurs soll weiterhin
dort beginnen, wo einKletterer nach 300Kletterstun-
den ankommt.
Offen für Neues! Selbstverständlich sind die neuen
Kurse nur so lange aktuell, wie sich die Umstände
nicht ändern. Da es in der SKT eine rasante Entwick-
lung gibt, werdenwir dieseEntwicklung verfolgenund
dieAusbildung zumgrößtmöglichenNutzen für unse-
re Kursteilnehmer aktualisieren. Versprochen! Wer
das nicht glaubt, kann es ausprobieren. Alle anderen
auch…
Diplomingenieur fürForstwissenschaft,
FirmeninhaberderFa.happy-tree.
Seit7JahrenAusbildungsleiter imTeam
derMünchnerBaumkletterschule.
Bernhard Schütte
1...,44,45,46,47,48,49,50,51,52,53 55,56,57,58,59,60,61,62,63,64,...129
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