Kletterblatt 2006 - page 33

Kletterin wird vielseitiger und
ist in der Lage technisch an-
spruchsvollere Arbeiten auszu-
führen.
High-end Techniken
„Great to have –
if you know how!“:
Komplexe, anspruchsvolle
Techniken, die nur von ver-
sierten und erfahrenen Perso-
nen eingesetzt werden sollten.
Aus dieser Aufstellung wird
klar, dass nicht jede Technik
für alle sinnvoll oder ange-
messen ist. Man sollte unbe-
dingt unterscheiden zwischen
den „must have“ und „nice
to have“ Techniken. Im Rah-
men einer seriösen Ausbil-
dung und Einweisung sollte
dieses Wissen methodisch
Schritt für Schritt aufgebaut
werden. Grundlage für all die-
ses Wissen sind die Basistech-
niken. Jeder Anwender sollte
z. B. einen Prusik binden kön-
nen und die Technik des Klet-
terns mit zwei Seilenden ken-
nen bzw. beherrschen.
Die oben genannten Gedan-
ken dürfen keinesfalls als Ar-
gumente gegen die neuen,
weiterführenden Techniken
verstanden werden. Im Ge-
genteil. Ein ganz wichtiger
Aspekt bei diesen neuen Ar-
beitsweisen ist die Ergonomie:
mechanische Gerätschaften,
wie z.B. Rollenkambiumscho-
ner, leichtere Klettergurte
oder leichtgängige Klemm-
knoten verringern die Ermü-
dung und den Verschleiß am
Körper.
Sind also fortgeschrittene
Techniken in der SKT Luxus
oder Notwendigkeit? Ich
meine, ein bisschen von bei-
dem. Die Kenntnis der Basis-
techniken ist wichtig und un-
bedingt notwendig. Das sind
die weiterführenden Techni-
ken nicht. Aber diese als
Luxus abzutun wäre verkehrt.
Je nach Niveau der Arbeit, die
es auszuführen gilt, sind sie
sogar unumgänglich. Man
sollte bei der Diskussion um
weiterführende Techniken
wirklich differenzieren. Ent-
sprechen sie dem Ausbil-
dungsstand des Anwenders
oder der Anwenderin? Ent-
sprechen sie der Situation? In-
novation darf nicht zu einem
Selbstzweck werden, sondern
muss eingebunden sein in
einen Prozess hin zu anwen-
derfreundlichen, intuitiven
Geräten und Techniken. Bei
sorgfältiger Auswahl und Ein-
weisung der Arbeitsmethode,
des Materials und der Technik,
wird der Anwender oder die
Anwenderin längere Zeit am
Stück mit mehr Spaß und
Leichtigkeit auf den Bäumen
tätig sein können, ohne dabei
die Gesundheit aufs Spiel zu
setzen.
D
Der Autor
Mark Bridge
Basel, Schweizermeister und Europa-
meister 2004 und 2005 im Baumklettern;
Mitbegründer des Baumpflegekollektivs
„Baumpartner“; Ausbildungen und
Schulungen mit „Baumklettern Schweiz“;
Entwicklung von Ausrüstung und Tech-
niken für die SKT mit „Treemagineers“.
Thema
Laubfrösche sind Baumkletterer
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